Materialkunde Sisal

Die Stämme der meisten Kratzbäume sowie die meisten Kratzbretter und -tonnen besitzen heute eine Oberfläche aus Sisal, an der die Samtpfoten ihre Krallen wetzen können. Das kommt nicht von ungefähr, schließlich verfügt Sisal über diverse Eigenschaften, die ihn zu einer hervorragenden Kratzunterlage für Katzen machen. So ist das natürliche Material ungewöhnlich steif und relativ rau, so dass es von Stubentigern als Alternative zum im Freigang häufig genutzten Holz gerne angenommen wird. Gleichzeitig ist Sisal aber auch so zugfest und strapazierfähig, dass es auch einer mehrmals täglichen Bearbeitung durch die Katzenkrallen lange standhält. Im Vergleich mit Kratzmöbeln aus anderen natürlichen Materialien kommt es zudem in der Regel zu keiner Verunreinigung der Wohnung durch abgearbeitetes Material und die Stämme können bei Verschleiß neu mit Sisal bestückt oder komplett ausgetauscht werden.

Was für ein Material ist Sisal?

Sisal, oder genauer gesagt die Sisalfaser, wird aus den Blättern verschiedener Agaven gewonnen. Agaven, auch häufig als Jahrhundertpflanzen bezeichnet, gehören zur Familie der Spargelgewächse. Sie sind vor allem im Süden der USA, in Mexiko und ganz Mittelamerika zu finden und kommen auch in Südamerika vor. Neben ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet werden sie aber mittlerweile in vielen Gebieten weltweit kultiviert, in denen tropische bis frostfreie Temperaturen vorherrschen. Für die Sisalfaserproduktion kommen meist Fasern der Sisal-Agave (Agave sisalana) zum Einsatz.

Wie und seit wann wird Sisal als Naturfaser verwendet?

Die Verwendung der Sisalfaser als Naturfaser ist noch relativ neu und erst seit dem 19. Jahrhundert bekannt. Zwar fand die Agave bereits im 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts mit den Spaniern und Portugiesen ihren Weg von Mittelamerika in andere Länder und Kontinente, wurde jedoch zunächst rein als Zierpflanze genutzt. Heute handelt es sich um die fünftwichtigste Faserpflanze weltweit, aus der vorwiegend Taue, Seile, Teppiche und Garn gefertigt werden. Zudem werden die Sisalfasern auch als Füll- oder Poliermittel verwendet. Die Fasern werden dabei in der Form von Faserbündeln verarbeitet, wobei einzelne Bündel etwa hundert bis zweihundert einzelne Faserzellen ausmachen.